Weezer - Die Collegerock-Epigonen kommen nach Berlin

Man darf es gern eine echte Sensation nennen: Nach langer Abstinenz von den europäischen Live-Bühnen werden Weezer im Herbst auf Europa-Tournee kommen und in diesem Rahmen auch am 15. Oktober 2017 in der Berliner Columbiahalle spielen.

Vom: 30. März 2017 | Autor: Dennis Hahn

 Weezer - Die Collegerock-Epigonen kommen nach Berlin

Weezer - Die Collegerock-Epigonen kommen nach Berlin

Die Band um Vordenker Rivers Cuomo erfreut sich nach einer höchst wechselhaften Bandgeschichte, die seit diesem Februar bereits beachtliche 25 Jahre andauert, in den vergangenen Jahren ungebrochener Beliebtheit dies- und jenseits des Atlantiks. Seit ihrem dritten Album „Weezer (The Green Album)“ von 2001 stieg jedes neue Werk sofort in die Top Ten der US-Billboard Charts, auch international belegen Weezer regelmäßig hohe Charts-Plätze. Das von ihnen initiierte Genre des „Collegerock“ hat die Band dabei immer wieder neu definiert und interpretiert, doch gerade mit den letzten beiden Alben „Everything Will Be Alright At The End“ (2014) und „Weezer (The White Album)“ haben Weezer wieder zu alter, klassischer Rock-Größe zurückgefunden.

Als der eigenwillige, sehr kluge und mit dem Begriff des typischen „Nerds“ recht treffend umschriebene Sänger und Gitarrist Rivers Cuomo im Februar 1992 eine neue Band mit dem Namen Weezer gründet, ist er auf der Suche nach einem neuen Sound, der all seine persönlichen Vorlieben miteinander vereint: Da ist der klassische Hardrock einerseits, daneben seine Leidenschaft für die verzerrte Wucht des Alternative Rock, und andererseits eine ungebremste Begeisterung für große Pop-Melodien im Glanz der Beach Boys. Was bei ihm daraus entsteht, als er mit drei Freunden zusammen die ersten Songs für Weezer schreibt, erhält von der Musikpresse zügig einen eigenen Namen: der „Collegerock“ wird geboren und in der Folge zu einem der vitalsten Genres der 90er-Jahre, aus dem nach und nach weitere neue Stile wie etwa der Emocore erwachsen.

All das ist von Weezer zwar nicht intendiert, wird aber gern angenommen, denn es hilft ihnen, vom Fleck weg zu einer Größe in der US-amerikanischen Musikszene zu werden. Gleich die erste Single, der inzwischen zum Klassiker avancierte Song „Buddy Holly“, wird ein großer Hit, der es bis auf Platz 2 der US-Alternative Charts bringt. Im Fahrwasser dieses Erfolgs erwächst auch aus dem ersten Album „Weezer“ ein lang anhaltender Hit, die Jugend entdeckt mit dem Collegerock ein neues Genre, das ebenso auf Kantigkeit setzt wie auf brutal eingängige Melodien, die sich niemals abnutzen.

Ein wenig scheint der öffentlichkeitsscheue Frontmann jedoch überfordert von dem plötzlichen Erfolg. Und so gerät das zweite Album „Pinkerton“ deutlich düsterer und konfrontativer. Die Presse feiert das Werk, der Erfolg indes bleibt aus (und das, obwohl sich viele Weezer-Fans bis heute einig sind, dass „Pinkerton“ das vielleicht beste Album der Band ist). Es entsteht eine lange Bandpause, Gerüchte über eine Auflösung machen sogar die Runde. Doch tatsächlich beendet Rivers Cuomo schlicht zunächst sein Studium, bevor Weezer fünf Jahre später mit dem dritten Album „Weezer (The Green Album)“ zurückkehren – und mit „Island In The Sun“ einen ihrer größten weltweiten Radiohits abliefern.

Seither gehören Weezer zum Standard-Kanon der bedeutenden US-amerikanischen Rockbands. Zwar bleibt die Geschichte der Band sowie die Reaktion der Kritik auf jede weitere Platte unberechenbar – so wird etwa das siebte Album „Raditude“ (2009) heftig verrissen, weil es mit Synth-Pop und Hip-Hop liebäugelt. Doch die Fans bleiben der Band treu und verhelfen jedem weiteren Album zum Top Ten-Erfolg in den USA sowie vielen weiteren internationalen Erfolgen. Mittlerweile darf man Weezer, die heute neben Cuomo aus dem zweiten Gründungsmitglied Patrick Wilson am Schlagzeug, dem 1993 eingestiegenen Gitarristen Brian Bell sowie dem 2001 hinzu gestoßenen Bassisten Scott Shriner bestehen, als eine feste Größe des US-Rock bezeichnen, die auf den Collegerock einen ebenso deutlichen Einfluss nahm wie die Foo Fighters auf den Alternative Rock.

Konzert-Termin Berlin: 15. Oktober 2017, Columbiahalle

52.484517113.392710399999942

Columbiahalle
Columbiadamm 13-21
10965 Berlin

Von: Dennis Hahn


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