Van Morrison - Große Stimme, großartige Band, großartiges Konzert in Berlin

50 Jahre auf der Bühne, 40 Alben eingespielt, 73 Jahre alt und nach wie vor eine Ausnahmestimme: Die Rede ist vom irischen Blues- und Soulsänger Van Morrison. Live sieht man ihn nicht mehr ganz so oft, deshalb war es gestern Abend in der Mercedes-Benz Arena schon etwas ganz Besonderes, diese lebende Legende mit seiner fantastischen Stimme und grandiosen Band nochmals auf der großen Bühne zu sehen.

Vom: 13. Juni 2019 | Autor: Dennis Hahn

Van Morrison - Große Stimme, großartige Band, großartiges Konzert in Berlin       (C)Foto: ArtSiegel

Van Morrison - Große Stimme, großartige Band, großartiges Konzert in Berlin (C)Foto: ArtSiegel

An Material für ein Konzert mangelt es Van Morrison wirklich nicht. Er kann aus einem Songkatalog aus 40 Alben schöpfen, die er in den mehr als 50 Jahre aufgenommen hat. Seine Leidenschaft für die Musik und insbesondere für den Blues und Jazz rührt schon aus seiner Kindheit, wo er durch seinen Vater erste Berührungspunkte mit Musk-Größen wie Mahalia Jackson, Fats Domino, Muddy Waters, John Lee Hooker, Ray Charles und vielen andere hatte. Nach schon einigen Bandprojekte als Teenager, begann im Jahre 1964 als Frontmann der Rockband "Them" sein persönlicher Durchbruch. So produzierte er mit der Band eine Reihe von Hits, unter anderem Gloria, Here Comes the Night und It’s All Over Now, Baby Blue, die Coverversion einer Bob-Dylan-Komposition. Das Ausscheiden bei "Them" 1966 war auch gleichzeitig der Startschuss für seine Solokarriere.

Ein halbes Jahrhundert später ist er selbst zur Legende geworden und so war die Vorfreude der Musiklibehaber, die gestern (trotz großem Unwetter) den Weg in die Mercedes-Benz Arena gefunden hatten riesig, die Mann mit Hut und Sonnenbrille live zu erleben. Eine Vorband gab es nicht und um 20:05 Uhr war es dann soweit: Zuerst betrat seine 6-köpige Band die Bühne, legte langsam los und kündigte dann den Meister Van Morrison an.

Der erste Song des Abends war "Let's Get Lost". Schon hier zeigte sich, dass es einfach nur ein grandioses Konzert werden konnte. Die Band harmonierte von Anfang an, alles war im Fluss, alles für sich tolle Musiker. Aber in Mittelpunkt des Geschens ganz klar der Grandseigneur. Im feinen, gestreifte, blauen Anzug und mit Krawatte betrat er die Bühne, natürlich auch mit blauem Hut und Sonnenbrille, wie man ihn kennt. Sein Platz in der Mitte am goldenen Mikrofon fand er schnell und legte so gleich auch los. Um es mal direkt zu sagen: Seine Stimme nach wie vor der Knaller.

Und das sollte sich auch die ganze Setlist über nicht ändern. Immer wieder greift er auch zum Saxophon und zur Mundharmonika, zwei Instrumente die er auch aus dem Effeff beherscht. Alles wirkt im Zusammenspiel mit der Band sehr intim, so haben sie alle Musiker auch auf wenigen Quadratmetern der Bühne "versammelt", in der für diesen Abend wohl etwas überdimensionierten Mercedes-Benz Arena, was aber der Stimmung und dem Konzert an sich keine Abbruch tat.

Jeder einzelne Song wurde zelebriert und war wirkte oft wie eine Huldigung an seine Idole wie Muddy Waters (Baby, Please Don't Go), John Lee Hooker (Think Twice Before You Go) oder Bo Diddley (Ride On Josephine). Im zweiten Abschnitt der Setlist gibt es noch grandiose Versionen von "Wild Night", "Brown Eyed Girl" und ein Medley aus "In the Afternoon / Ancient Highway / Raincheck / Sitting Pretty" von Van Morrison nochmals sein ganzes Können, seine Genialietät und auch Erfahrung beweist und er minutenlang fast ohne Bandunterstützung seine Stimme nur so schweben lässt.. Unstersützt wird er dabei von seiner sehr überzeugenden Backgroundsängerin Dana Masters und auch seinem Bandleader. Immer wieder kommen "Schreie" aus dem Publikum, die von Begeisterung nur zu strotzen.

Am Ende gibt es dann mit dem Song "Gloria" aus seiner Zeit bei "Them" noch ein Highlight, das aber nicht ihm sondern seiner Band gehört. Er "verabschiedet" sich singend mit dem Mikro in der Hand nach den ersten Sekunden von der Bühne und dann hat jedes Bandmitglied mit einem Solo nochmals die Chance sein Können unter Beweis zu stellen. Nach ca. 1.45 Stunden ist dann Schluss in Berlin.

Sag mag Van Morrison oftmals nach, etwas schwierig und schlecht gelaunt zu sein, wirkte er heute recht gut gelaunt. Ja, es gab weder eine Begrüßung, noch Verabschiedung und auch den Rest des Konzertes redete er nicht viel, wenn dann überhaupt mit seiner Band. Aber er benutzte seine Stimme zu dem was er wirklich kann: Singen und damit begeistern und das mit einer Leichtigkeit und Überzeugheit, die ihn zu Recht zur lebenden Legende des Blues macht. Danke Van Morrison, kommt bald wieder!

Setlist
Let's Get Lost
How Far From God (Sister Rosetta Tharpe cover)
Ain't Gonna Moan No More
Baby, Please Don't Go / Don't Start Crying Now / Got My Mojo Working / Playhouse
There Stands the Glass (Webb Pierce cover)
Days Like This
Have I Told You Lately
It Once Was My Life
Sometimes We Cry
Ride On Josephine (Bo Diddley cover)
Think Twice Before You Go (John Lee Hooker cover)
Moondance
Magic Time
Cleaning Windows / Be-Bop-A-Lula
Boppin' the Blues (Carl Perkins cover)
Wild Night
Enlightenment
Broken Record
In the Afternoon / Ancient Highway / Raincheck / Sitting Pretty
Brown Eyed Girl
Help Me (Sonny Boy Williamson cover)
- Zugabe:
Gloria (Them song)

Von: Dennis Hahn


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Van Morrison - Große Stimme, großartige Band, großartiges Konzert in Berlin       (C)Foto: ArtSiegel

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