The Pretty Things - Nach genau 55 Jahren sagen sie LIVE in Berlin Adieu

Nach genau 55 Jahren geben eine der langlebigsten und verehrungswürdigsten Rockgruppen ihren Abschied vom Tournee-Leben bekannt. THE PRETTY THINGS werden im Dezember diesen Jahres mit einem Konzert in London ihren Fans Adieu sagen – über die Gäste die sie dazu einladen darf spekuliert werden. In Berlin werden sie am 16. September 2018 ihr letztes Konzert in dieser Stadt geben!

Vom: 29. August 2018 | Autor: Dennis Hahn

The Pretty Things - Nach genau 55 Jahren sagen sie LIVE in Berlin Adieu

The Pretty Things - Nach genau 55 Jahren sagen sie LIVE in Berlin Adieu

1964 war ein magisches Jahr für die Rockmusik. Jugendrevolte, Beatmusik, lange Haare, Minirock; aus den düsteren Kellern der englischen Großstadtklitschen steigen über Nacht junge Musiker zu internationalen Stars auf – die Beatles, Rolling Stones, Animals, Who und Yardbirds verschreiben sich jeweils auf ihre eigene unverwechselbare Art dem Rock & Roll und dem Rhythm & Blues. Eine Band aber war mit Abstand die Lauteste, Wildeste und Ungezogenste: THE PRETTY THINGS mit ihrem langhaarigen Sänger PHIL MAY und ihrem fingerfertigen Gitarristen DICK TAYLOR der zuvor einer Band angehörte, die sich ,,The Rolling Stones“ nannte und die er mitbegründete. Kein Mensch, der die wüste Truppe in den Sixties auf der Bühne sah, hätte sich vorstellen können, daß diese Band anno 2013 immer noch existiert und spielfreudig und kompetent, aber immer noch ungezügelt und motiviert einen Live-Querschnitt über ihre lange und steinige Karriere gibt. Und die bösen Buben sind immer noch schweinegut!

Zunächst hatten THE PRETTY THINGS keine Schwierigkeiten, mit ihrem knallharten und kompromisslosen Sound sich aus der Masse der R & B – Bands hervorzuheben. Noch heute zählt ihr Debut-Album ,,THE PRETTY THINGS“ zu den allerbesten Machwerken der Beat-Ära. Ihre Gigs jedoch – unvergessen, da auch in den letzten Jahren oft im TV wiederholt – bleibt ihr sagenhafter Beat-Club – Auftritt -endeten damals oft im Chaos.

Dennoch hatten THE PRETTY THINGS damals Hit auf Hit: ,,Rosalyn“ , ,,Don’t bring me down“‚ ,,Road Runnner“‚ ,,Big boss man“, ,,Midnight to six men“ und einige mehr schafften die Top 20. Mit ihrer zweiten LP ,,GET THE PICTURE“ kam erstmals Melodie ins Spiel. Live war die Band allerdings unvermindert ungestüm. Mit ihren Eskapaden – Viv Prince legte sich in Amsterdam mit einem Preisboxer an, danach ging sein Gesicht per Foto um die ganze Welt oder sprang in Australien aus dem Flugzeug, ohne auf die Gangway zu warten – und vor allem mit der Veröffentlichung ihrer wohl berühmtesten Single ,,LSD“ – wurden sie zusehends Buhmänner in der bürgerlichen Presse; ihre Songs waren auch noch Jahre später aus dem Programm aller Radiostationen verbannt.

Für viele überraschend wandten sich THE PRETTY THINGS – seit 1965 mit dem Superdrummer Skip Allen – mit dem Album ,,Emotions“ der aufkommenden FlowerPower – und Hippie-Bewegung zu. Neben Phil & Dick gesellten sich mittlerweile JOHN POVEY ( keyboards) und WALLY ALLEN (bass, keyb) zur Band, die gemeinsam ein ungewöhnliches Kompositions – und Arrangement – Talent entwickelten.

THE PRETTY THINGS tourten quer durch Europa und die USA und wurden und werden – besonders in Deutschland nach wie vor begeistert aufgenommen. Von ihren damaligen Veröffentlichungen ist die Maxi-CD ,,Eve of Destruction“ und die Alben ,,Live at Heartbreak Hotel“‚, ,,Chicago Blues Tapes 1? und ,,II“ hervorzuheben, die mit schwarzen Blues-Legenden aufgenommen wurden, aber nichts mit dem aktuellen Liveprogramm der PRETTY THINGS gemein haben.

Im Sommer 95 reformierten sich THE PRETTY THINGS in absoluter Bestbesetzung und gaben seither famose Konzerte in Deutschland, Holland, Frankreich ,USA, Spanien und England ; viele dieser Auftritte endeten damit, daß Skip Allen sein Schlagzeugsolo mitten im dichtgedrängten Publikum abhielt, bei den Zugaben ,,Stagediving“ machte oder sein Schlagzeug in Stücke schlug. Ansonsten überzeugte die Band aber mit einem wirklich höchst differenzierten Set, das einen weiten Bogen um die ganze Band-Karriere schlug.

1996 erschien weltweit eine Anthology – CD ,,PRETTY UNREPENTANT“mit einem Querschnitt aus dem Schaffen der Band, sowie neuen bzw. unveröffentlichten Songs. Diese Super-CD katapultierte die ,,PRETTY THINGS“ plötzlich wieder ins öffentliche Interesse. Der renommierte ,,Rolling Stone“ widmete der Band eine 8-seitige Farbstory mit dem, Titel: ,,Chronologie des Krawalls“; der amüsante Artikel forderte ,,ausgleichende Gerechtigkeit“ und endlich Superstar-Status für die ,,wirklich bösen Buben“ der Rockmusik. Am 6. September 98 gab die Band ein historisches Konzert in den Abbey Road Studios, das weltweit via Internet zu sehen war : „S.F. Sorrow“ erstmals komplett live. An der Gitarre: DAVID GILMOUR, als Rezitator ARTHUR BROWN und im Publikum berühmte Gäste. Anfang 99 – nachdem „S.F. Sorrow“ bei SNAPPER RECORDS im September in toller Aufmachung re-released wurde erschien vom Abbey Road – Konzert eine Live-CD in limitierter Auflage; alle 10.000 Exempare sind offiziell vergriffen. Unter uns: Die CD wurde schon mehrmals nachgepresst und ist durchaus noch erhältlich. Außerdem wurde „S.F.Sorrow“ Original und Wiederauferstehung 2003 offiziell aus Do-CD veröffentlicht. 2004 erschien das Konzert als DVD.

Konzert-Termin Berlin: 16. September 2018, Quasimodo

Von: Dennis Hahn


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