Cecilia Bartoli - Opern-Star wartet mit sensationellem neuem Album auf

Cecilia Bartoli ist für ihre akribische Arbeit und sensationelle Stimme bekannt. Sechs Jahre lang hat sie in St.Petersburg seit fast 300 Jahren vergessene Opern recherchiert, nun präsentiert sie uns die erstklassigen Opern des versunkenen Zarenreiches: Cecilia Bartoli – Album „St.Petersburg“ – Veröffentlichung 10.Oktober 2014 –

Vom: 25. September 2014 | Autor: Dennis Hahn

Cecilia Bartoli - Opern-Star wartet mit sensationellem neuem Album auf

Cecilia Bartoli - Opern-Star wartet mit sensationellem neuem Album auf

In ihrer jüngsten Veröffentlichung bei Decca würdigt die erfolgreiche Mezzosopranistin Cecilia Bartoli die wenig bekannte Blütezeit der Oper im St. Petersburg des 18. Jahrhunderts unter der aufgeklärten Herrschaft von drei bemerkenswerten Frauen. Die Kaiserinnen (Zarinnen) Anna Iwanowna (1730–40), Elisabeth Petrowna (1741–62) und Katharina II. (besser bekannt als Katharina die Große, 1762–96) orientierten sich nach Europa, um das kulturelle Leben ihres Landes zu bereichern, und verpflichteten führende italienische Komponisten, die die neueste Musik an den russischen Hof bringen sollten. Diese drei mächtigen, willensstarken Frauen erwiesen sich als politisch vorausschauend und musikalisch wagemutig – wie Cecilia Bartoli aufzeigt.

Peter der Große, Zar und später Kaiser von Russland bis zu seinem Tod 1725, war der erste große Modernisierer des Landes, der sein gewaltiges Reich und dessen riesige ländliche Bevölkerung – fromm und konservativ – in Richtung eines ausgeprägten westlichen Modells drängte. Seine Nichte Anna folgte seinem Weg und sorgte für ein reges kulturelles Leben an ihrem Hof. Sie lud italienische und deutsche Musiker ein, die Oper, komische Oper und Ballett mitbrachten.

Nachdem sie in einem unblutigen Staatsstreich Annas designiertem Erben, ihrem noch keine zwei Jahre alten Großneffen Iwan, die Macht entrissen hatte, suchte Elisabeth (die Tochter Peters des Großen und dessen zweiter Frau) in Frankreich nach einem Vorbild für höfisches Leben. Sie bewunderte das französische Theater und pflegte auch die Musik mit großem Engagement. Sie sang im privaten Chor ihrer Kapelle, förderte die weltliche Musik und war verantwortlich für die erste in russischer Sprache gesungene Oper.

Elisabeths direkter Nachfolger war ihr Neffe Peter, der jedoch schon bald einen frühen Tod fand – an dem seine Frau Katharina möglicherweise mitwirkte. Während der nächsten 34 Jahre setzte Katharina die Große mit Nachdruck die Arbeit ihrer Vorgänger fort und machte das russische Reich zu einer wirklichen Weltmacht. Sie selbst war zwar nicht musikalisch (als Kind hatte sie sich eine Rutsche aus einem Klavichord gebaut), aber sie brachte weiterhin international gefeierte Musiker nach St. Petersburg. Sie schrieb sogar die Libretti für einige Opern, und in ihrer Regierungszeit wurden die ersten öffentlichen Opernhäuser in Russland eröffnet. (Katharinas angeblich übersteigertes erotisches Interesse – vermutlich eine reine Erfindung – ist ebenfalls Thema in dem aufwendig gestalteten Booklet des Albums!)

»Cecilia Bartoli – St Petersburg« feiert nicht nur drei große russische Herrscherinnen, sondern rückt auch deren Hofkomponisten ins Rampenlicht: Francesco Araia (1735–59), Hermann Friedrich Raupach (1759– 61), Vincenzo Manfredini (1761–63) und Domenico Cimarosa (1787–91).

Der aus Neapel stammende Francesco Araia war der erste Komponist, von dem eine Oper in Russland aufgeführt wurde (La forza dell’amore e dell’odio 1736 im Winterpalast); er komponierte auch die erste Oper auf ein russisches Libretto (Tsefal i Prokris, uraufgeführt 1755). Bartoli singt zwei Arien von Araia, darunter eine aus dem bahnbrechenden Werk La forza dell’amore e dell’odio.
Auf Araia folgte der deutsche Cembalist und Komponist Hermann Friedrich Raupach. Raupach, der nur zwei Jahre im Dienst seiner Kaiserin stand, zählt zu den echten Entdeckungen dieses Albums, ein Komponist von klassischer Ausgewogenheit und eine wirklich ansprechende musikalische Stimme. Leider ist sein erhaltenes TLuvre nicht sehr umfangreich. Dieses Album bietet zwei Arien aus seiner russischen
Oper Altsesta – Bartolis erste Aufnahmen in russischer Sprache!

Der jugendliche Vincenzo Manfredini, dessen Carlo Magno hier dreimal vertreten ist – unter anderem mit einem beschwingten Chor, der das Album abschließt –, hatte sein Amt nicht einmal zwei Jahre inne. (Dass er noch von Katharinas so früh verstorbenem Vorgänger Peter verpflichtet worden war, gereichte ihm beruflich nicht gerade zum Vorteil!) Doch er war ein außerordentlich fähiger Komponist, und auch er
verdankt unsere längst überfällige Anerkennung dem Einsatz Cecilia Bartolis.

Eine echte Kuriosität ist der Prolog zu Johann Adolf Hasses La clemenza di Tito (die Oper entstand fast 60 Jahre vor Mozarts Version), der eigens für eine Aufführung anlässlich der Krönung der Zarin Elisabeth 1742 geschrieben wurde. Die Musik stammt von Domenico Dall’Oglio (wahrscheinlich ein Schüler von Vivaldi und Tartini) und dem Komponisten und Geiger Luigi Madonis.

Domenico Cimarosa, der heutzutage wohl bekannteste dieser Komponisten, verbrachte vier Jahre am Hof von St. Petersburg, bevor er nach Wien ging und in den Dienst des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches, Leopolds II., trat. Katharinas Interesse mag mehr der Literatur und dem Theater Frankreichs gegolten haben, aber Cimarosa arbeitete hart und brachte eine nicht abreißende Reihe hervorragender musikalischer Werke hervor. Die hier eingespielte Arie aus La vergine del sole mit ihrem hinreißenden Klarinettensolo zeigt, dass Katharinas Verlust unser Gewinn war.

Die Opernsammlung des 18. Jahrhunderts, die in der Bibliothek des Mariinski-Theaters in St. Petersburg aufbewahrt wird, ist ein Archiv von unschätzbarem Wert. Für dieses Projekt wurde es Cecilia Bartoli und I Barocchisti zugänglich gemacht, die sich gemeinsam der seit über 200 Jahren nicht mehr gehörten Musik widmen. Die Werke auf diesem Album bilden den Kern einer außerordentlich reichen Sammlung, zu der auch die Originalpartitur von Verdis La forza del destino gehört (die Oper wurde 1862 in St. Petersburg uraufgeführt). Der künstlerische Direktor des Mariinski-Theaters, der Dirigent Valery Gergiev, zeigte sich begeistert von den Wiederentdeckungen: »Es macht mich stolz, dass Cecilia diese historischen Schätze aus unserem Mariinski-Archiv mit neuem Leben erfüllt und die Welt mit dieser unvergleichlich schönen Musik inspiriert.«

»Cecilia Bartoli – St Petersburg« ist wiederum ein Gemeinschaftsprojekt der Mezzosopranistin mit I Barocchisti und Diego Fasolis, mit denen sie bereits auf zwei Alben Musik von Agostino Steffani aufgeführt hat (»Man muss Cecilia Bartoli beglückwünschen zu diesem Projekt und ihr zugleich danken für die Arbeit, die ihr offenkundig ein ganz persönliches Anliegen ist. Mit inspirierter Begleitung von dem wie immer schwungvollen Ensemble I Barocchisti . . . da bleiben eigentlich keine Wünsche offen.« Gramophone über Mission)

Cecilia Bartoli, Exklusivkünstlerin von Decca Classics, hat unter allen »Stamm«-Künstlern von Universal Music die besten Verkaufszahlen – bislang mehr als 10 Millionen Einheiten. Sie stand insgesamt über 100 Wochen in den internationalen Popcharts und hat darüber hinaus zahlreiche klassische Auszeichnungen erhalten: darunter fünf Grammys (USA), zehn ECHO-Preise, einen Bambi (Deutschland), sechs
Gramophone Awards, zwei Classical Brit Awards (Großbritannien) und einen Victoire de la Musique (Frankreich).

Veröffentlichung: 10.Oktober 2014

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Von: Dennis Hahn


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